Nachhaltigkeit und Wirkung: Ernährung 2025

Geld als Gestaltungsmittel: Unser Nachhaltigkeitsverständnis und Zukunftsbild

Als GLS Bank nutzen wir Geld als soziales Gestaltungsmittel. Gemeinsam mit unseren Kund*innen wollen wir durch den bewussten, verwendungsorientierten Umgang mit Geld die Zukunftsfähigkeit der Gesellschaft sichern und fördern. 

Die Grundlage für unsere Arbeit und unser Verständnis einer nachhaltigen Wirtschaft und Gesellschaft bilden unser Leitbild und die Anlage- und Finanzierungsgrundsätze. Darin halten wir fest, welche Geschäftsfelder und -aktivitäten wir grundsätzlich von einer Finanzierung ausschließen und welche Geschäftsfelder wir im Rahmen unserer Finanzierungsentscheidungen positiv bewerten, weil sie aus unserer Sicht zu einer zukunftsfähigen Gesellschaft beitragen.

Daraus abgeleitet ergeben sich unsere sechs Branchen. Für diese haben wir jeweils in einem Zukunftsbild unsere Vision für die Branche festgehalten – sprich: Was ist für uns der Zielzustand einer nachhaltigen Gesellschaft in dieser Branche?

Für die Branche „Ernährung“ halten wir fest: 

Wir wollen eine Ernährungswende: Umweltverträgliche und ressourcenschonende Erzeugung, Verarbeitung, Handel und Konsum von ökologischen Lebensmitteln, artgerechte Tierhaltung und gesundheitsfördernde, vielfältige Ernährungsweisen.

Je mehr Nahrungsmittel ökologisch und dezentral angebaut und in einem überschaubaren Umkreis verarbeitet und verkauft werden, umso mehr profitiert die Region - nicht nur wirtschaftlich. Über eine dezentrale, regionale Verarbeitung werden soziale Strukturen auf dem Land gestärkt und bewahrt. Eine zukunftsfähige Wertschöpfung begünstigt gleichberechtigte, stabile Partnerschaften zwischen Landwirtschaft und Lebensmittelwirtschaft. Verbraucher*innen haben Vertrauen in die gekauften Waren, weil sie wissen, wo sie herkommen. Dabei entstehen Strukturen, in denen gemeinschaftlich Risiko und Verantwortung getragen und Solidarität und Wertschätzung zwischen allen Mitgliedern des Ernährungssystems gefördert werden. Der technologische Fortschritt und innovative Lösungsansätze im Einklang mit der Bewahrung und Rückbesinnung auf bewährte, nachhaltige Praktiken können die Ernährungswende sozial und ökologisch gerecht vorantreiben.

Ob Biohof, verarbeitender Betrieb, Bioladen, Gastronomie, solidarische Landwirtschaft, Konsument*in – jede*r kann den eigenen Weg der Nachhaltigkeit gehen. Wir wollen eine Ernährungswirtschaft, die auf einem respekt- und maßvollen Umgang mit Natur, Tieren, Menschen und Lebensmitteln fußt.

Transparenz in der Kreditvergabe: Wirkungsmessung

Wir haben den Anspruch, Transparenz im Bankgeschäft zu schaffen. Für die Kreditvergabe bedeutet das in erster Linie: Wir veröffentlichen, wer bei uns einen Kredit erhält und wofür.  

Darüber hinaus wollen wir so konkret wie möglich messbar und nachvollziehbar machen, wie wir unseren Gestaltungsanspruch leben. Im Rahmen der Wirkungsmessung erheben wir branchen- und segmentspezifische Daten. Sie unterstützen uns dabei, die Wirksamkeit unserer Kreditvergaben zu prüfen und sichtbar zu machen. Uns ist bewusst, dass sich positive Wirkung nicht ausschließlich anhand quantitativer Faktoren bemessen lässt.
Daher nutzen wir die Wirkungsmessung als Grundlage unserer Kommunikation. Eine Finanzierungsentscheidung treffen wir immer aus einer ganzheitlichen Betrachtung heraus, die sich aus einer vertrauensvollen Kundenbeziehung und dem Dialog mit unseren Kund*innen ergibt.

Da die Indikatoren der Wirkungsmessung nicht auf jedes Geschäftsmodell und jede Unternehmensgröße gleichermaßen anwendbar sind, erheben wir zusätzliche Daten zu Nachhaltigkeit und Wirkung derzeit nur für ausgewählte Firmenkund*innen – vorausgesetzt, eine sinnvolle und belastbare Datenerhebung ist möglich. Wir bezeichnen diese Kreditvergaben als „relevante Neufinanzierungen“. Im Jahr 2025 haben wir branchenübergreifend für 98 % unserer relevanten Neufinanzierungen die Wirkungsmessung durchgeführt.  

Auf dieser Seite stellen wir die Ergebnisse für die Branche „Ernährung“ vor. Die Aufteilung orientiert sich an den Kernmerkmalen des Zukunftsbilds.  

Blick auf 2025

Hintergründe zur Branche

In der Branche Ernährung unterscheiden wir zwischen zwei Teilbereichen: Ökologische Landwirtschaft und Naturkost. Zur Naturkost zählen verarbeitende Unternehmen (z. B. Hersteller von Bio-Säften), der Großhandel sowie der Einzelhandel, etwa Bioläden oder Anbieter von Bio-Abo-Kisten.

Im Bereich der ökologischen Landwirtschaft begleiten wir sowohl bio-zertifizierte Betriebe als auch solche, die sich auf dem Weg zur Bio-Zertifizierung befinden. Auch die Wald- und Forstwirtschaft gehört dazu. 

Herausforderungen und Schwerpunkte 2025

Das Jahr 2025 setzte den Erholungskurs der Bio-Branche fort und markierte in mehrfacher Hinsicht einen Wendepunkt. Die Absatzflaute des Inflationsjahres 2022 gilt als endgültig überwunden.

Der Umsatz mit Bio-Lebensmitteln und -Getränken in Deutschland erreichte 2025 das Rekordniveau von 18,23 Milliarden Euro – ein Zuwachs von 6,7 % gegenüber dem Vorjahr.[1] Bemerkenswert daran: Das Wachstum basierte in erster Linie auf einem echten Absatzplus, denn die Verbraucherpreise für Bio blieben im Trockensegment stabil, und bei frischen Lebensmitteln stiegen sie nur um rund 2 %.[2] Der Bio-Fachhandel zeigte sich stabil und behauptete sich in einem zunehmend wettbewerbsintensiven Markt – das Nachfragewachstum im Bio-Gesamtmarkt wurde jedoch vor allem vom konventionellen Lebensmitteleinzelhandel und den Drogeriemärkten getragen.  

Auf der Erzeugerseite bleibt das Bild herausfordernd. Zuletzt wirtschaftete in Deutschland jeder siebte Landwirtschaftsbetrieb ökologisch – insgesamt 35.881 Ökobetriebe auf einer Fläche von 1,91 Mio. Hektar, entsprechend 11,5 % der landwirtschaftlich genutzten Fläche.[3] Die Umstellungsbereitschaft blieb dabei verhalten: Die Zahl der Betriebe ging leicht zurück, während bestehende Höfe ihre Flächen erweiterten. Der wachsende Abstand zwischen steigender Marktnachfrage und stagnierender heimischer Erzeugung ist eine strukturelle Herausforderung, die die gesamte Wertschöpfungskette – von Verarbeitung bis Handel – spürbar beschäftigt.

Dabei sind die Ursachen für die schleppende Umstellung nicht allein im mangelnden Willen der Betriebe zu suchen. Eine von uns beauftragte Studie des Instituts der Deutschen Wirtschaft (IW) weist auf teils gravierende Wettbewerbsverzerrungen zulasten der ökologischen Landwirtschaft hin: Bio-Betriebe müssen für den Erhalt des EU-Öko-Siegels jährlich aufwändige Nachweise erbringen, die konventionelle Betriebe nicht kennen. Hinzu kommt eine steuerliche Schlechterstellung nachhaltiger Lebensmittel – etwa beim Mehrwertsteuersatz auf pflanzliche Alternativen zu tierischen Produkten. Besonders beim bürokratischen Aufwand sieht das Gutachten die ökologische Landwirtschaft gegenüber der konventionellen im Wettbewerb klar benachteiligt. Der BÖLW und die Bio-Anbauverbände mahnen seit Jahren, dass ohne eine verlässliche und ausreichend dotierte Förderung im Rahmen der Gemeinsamen EU-Agrarpolitik das 30%-Ziel bis 2030 unerreichbar bleiben wird.

Darüber hinaus bleibt die Klimakrise ein bestimmender Faktor. Extremwetterereignisse sorgen weiterhin für Ernteverluste und steigende Sachschäden. Studien des Thünen-Instituts zeigen, dass ökologisch bewirtschaftete Betriebe im Durchschnitt, u.a. durch den Verzicht auf synthetische Betriebsmittel, flächengebundene Tierhaltung und vielfältige Fruchtfolgen widerstandsfähiger gegenüber Klimaextremen sind – und zugleich messbare Beiträge zu Klimaschutz und Biodiversität leisten.[4] Dass diese Umweltleistungen bislang kaum ausreichend in den Förderrahmen der Gemeinsamen EU-Agrarpolitik eingepreist sind, bleibt ein zentrales Hemmnis für eine breitere Umstellung.

Finanzielle Branchenkennzahlen 2025

  • 2025 wurden in der Branche Ernährung neue Kredite in Höhe von 61,7 Mio. Euro vergeben.
  • Die Branche Ernährung macht einen Anteil von 4 % am gesamten Neukreditvolumen im Jahr 2025 aus.
  • Die im Folgenden dargestellten Kennzahlen und Kundenbeispiele beziehen sich auf den Teil unserer Finanzierungen, für den eine vertiefte Erhebung von Nachhaltigkeits- und Wirkungsdaten erfolgt.

Katrin Heuzard la Couture, Branchenkoordinatorin Ernährung

Katrin Heuzard la Couture, Branchenkoordinatorin Ernährung

Im Bereich der Außer-Haus-Verpflegung (AHV) bleibt die Bio-AHV ein wichtiges Instrument. Der Bio-Anteil in der Gemeinschaftsverpflegung liegt in Deutschland bei lediglich 1,3 %– bei einem enormen strukturellen Potenzial: Täglich essen mehr als 17 Mio. Menschen in Kitas, Schulen, Betriebskantinen, Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen.[5] Wir sehen in der AHV weiterhin einen wichtigen Hebel für den Aufbau regionaler, langfristiger Lieferbeziehungen.

Mit Blick auf die anhaltend steigende Nachfrage nach pflanzlichen Lebensmitteln und vegetarischen oder veganen Alternativen setzen wir unseren Schwerpunkt weiter auf den Gemüsebau und die Lebensmittelverarbeitung. Die Verbindung von nachhaltigen Anbaukonzepten, regionalen Lieferbeziehungen und der Stärkung von Klimaresilienz und Biodiversität bleibt dabei ein gemeinsamer Rahmen, innerhalb dessen wir verschiedene Themen vernetzen und Synergien schaffen – innerhalb der Branche Ernährung und darüber hinaus.

Ergebnisse der Wirkungstransparenz

Bio für alle

Die 100%ige Umstellung auf ökologische Land- und Lebensmittelwirtschaft ist unser Ziel.

Als GLS Bank finanzieren wir EU-Bio und verbandszertifizierte Betriebe und Unternehmen. Die Bio-Anbauverbände haben zum Teil strengere Richtlinien hinsichtlich Böden, Biodiversität sowie Tierwohl und bieten ihren Mitgliedern durch Vernetzung, regionale Kooperationen und gemeinschaftliche Vermarktung wichtige Vorteile.

Im Bereich Verarbeitung und Handel betrug der Anteil des bio-zertifizierten Umsatzes der 2025 finanzierten 22 Unternehmen 98,6 %. Die minimale Abweichung zu unserem 100% Ziel resultiert aus Lebensmitteln, für die es keine Bio-Zertifizierung gibt – darunter Waldhonig, Wildfleisch und Wildfisch (vgl. bspw. Bioland Leitlinie 8.6.2).

Im Bereich Urproduktion haben wir 2025 insgesamt 18.641 Hektar landwirtschaftlicher Fläche bei 56 Betrieben im Bestand gesichert oder neu finanziert – davon 129 Hektar neu erschlossene oder erworbene Fläche. Die finanzierten Betriebe bewirtschaften im Durchschnitt 333 Hektar– wobei die große Mehrheit (85 %) deutlich kleinere Flächen bewirtschaftet.  

Der Zugang zu geeigneten Flächen bleibt für viele Betriebe eine zentrale Herausforderung – insbesondere für Umsteller und Neugründungen. Das durchschnittliche Pachtentgelt für landwirtschaftlich genutzte Flächen lag zuletzt bei 357 € pro Hektar (Agrarstrukturerhebung 2023), mit erheblichen regionalen Unterschieden – von 99 € im Saarland bis 560 € in Nordrhein-Westfalen. Die nächste Erhebung ist für 2026 geplant; ein weiterer Anstieg gilt als wahrscheinlich.  

Hinzu kommt die ausgeprägte Volatilität der Erzeugerpreise, die eine verlässliche betriebswirtschaftliche Planung erschwert. Im Jahresdurchschnitt 2025 sanken die Erzeugerpreise für pflanzliche Produkte gegenüber dem Vorjahr um 9,6 % – Kartoffeln verzeichneten mit einem Minus von 44 % den stärksten Einbruch. Hintergrund war, dass eine gute Ernte das Angebot ausweitete und demzufolge Verarbeitung und Handel die Einkaufspreise für den gesamten Kartoffelmarkt stark nach unten drückten – Bio-Kartoffeln fielen dabei auf ein vielfach nicht kostendeckendes Niveau. Auf der anderen Seite trieben Tierseuchenausbrüche wie die Geflügelpest und die Afrikanische Schweinepest die Preise in einzelnen Segmenten nach oben, reduzierten aber gleichzeitig verfügbare Mengen und verunsicherten Betriebe strukturell. Diese gegenläufigen Preisbewegungen innerhalb eines einzigen Wirtschaftsjahres verdeutlichen, wie schwierig verlässliche Erzeugerpreise für Bio-Betriebe zu erzielen sind – auch dann, wenn die Nachfrage insgesamt wächst. 

In Verbindung mit den eingangs beschriebenen strukturellen Hemmnissen – von bürokratischem Mehraufwand bis zu unzureichender Agrarförderung – bremst dies die Umstellungsbereitschaft spürbar.

Die 100-prozentige Umstellung auf ökologische Land- und Lebensmittelwirtschaft ist das Ziel.

Auf dem Weg dahin wollen wir Landwirt*innen und Unternehmen in der Ernährungswirtschaft begleiten und unterstützen.

Zwei weiblich gelesene Personen im Gespräch, im Hintergrund Kisten mit Gemüse

Tierwohl

Eine artgerechte Haltung berücksichtigt das natürliche Verhalten der Tiere. 

Sie erspart den Tieren Verletzungen, Schmerz, haltungsbedingte Beschwerden und Stress und achtet ihre Bedürfnisse.

Tierhaltung ist in der ökologischen Landwirtschaft Teil eines geschlossenen Kreislaufsystems: Beweidung und natürliche Düngung fördern Nährstoffkreisläufe und Humusaufbau, Weidetiere leisten einen wichtigen Beitrag zur Landschaftspflege und zum Erhalt von Kulturlandschaften. Bio-Zertifizierungen, insbesondere die teils noch strengeren Vorgaben der Anbauverbände, setzen dafür verbindliche Standards. Wir finanzieren Betriebe, in denen Tierwohl und artgerechte Haltung strukturell verankert sind.

Mit 77 % überwiegt die pflanzliche Erzeugung bei den Betrieben, darunter Ackerbau (45 % der pflanzlich erzeugenden Betriebe), Gartenbau (32 %) sowie Futterbau (18 %). Vereinzelt gehören dazu aber auch Nischensegmente wie die Bewirtschaftung von Moorflächen zur Renaturierung. Im Betriebszweig Tierhaltung haben wir sowohl Fleischproduktion (39 %), Tierhaltung mit tierischen Produkten wie Milch oder Eier (45 %) sowie Zucht und Aufzucht (21 %) finanziert.  

Hinweis: Mehrfachnennungen sind möglich (bei Betrieben mit mehreren Zweigen) 

Eine artgerechte Haltung berücksichtigt das natürliche Verhalten der Tiere. 

Sie erspart den Tieren Verletzungen, Schmerz, haltungsbedingte Beschwerden und Stress und achtet ihre Bedürfnisse.

Vier Rinder stehen auf einer Wiese vor Bäumen und einem Windrad.

Gesunde Böden & Biodiversität

Eine umweltverträgliche Ernährung und Landwirtschaft sorgt für den Erhalt und den Schutz der biologischen Vielfalt: von der Produktion bis zum Verzehr. Natürliche Ressourcen werden geschont.  

Ökologisch bewirtschaftete Flächen leisten dabei auch einen nachweisbaren Beitrag zum Klimaschutz. Durch den Verzicht auf synthetische Düngemittel und Pestizide, vielfältige Fruchtfolgen und den Aufbau von Humus speichern Bio-Böden im Durchschnitt mehr Kohlenstoff und setzen weniger Treibhausgase frei als konventionell bewirtschaftete Flächen. Die Thünen-Metastudie (Sanders et al., 2025) [1] belegt diese Vorteile systematisch auf Basis von über 500 Einzelstudien – wobei das Ausmaß je nach Betrieb und Bewirtschaftungsweise variiert.

92 % der von uns 2025 finanzierten Betriebe setzen Maßnahmen um, die gesunden Böden und der Artenvielfalt zugutekommen. Viele dieser Praktiken sind fester Bestandteil der ökologischen Wirtschaftsweise und in den Richtlinien der Bio-Anbauverbände verankert:

  • Zwischenfrüchte, Untersaaten und dauerhafte Bodenbedeckung (32 % der 2025 finanzierten Betriebe): Schützen den Boden vor Erosion, fördern die Bodenstruktur und können Stickstoff binden.
  • Extensive Nutzung von Dauergrünland (30 %): Artenreiche Wiesen und Weiden bieten Lebensräume für Insekten, Vögel und Kleinsäuger.
  • Mischkulturen (38 %): Erhöhen die Resilienz gegenüber Schädlingen und Wetterextremen, fördern die Bodengesundheit und können den Bedarf an Pflanzenschutz reduzieren.
  • Samenfeste und alte Sorten sowie gefährdete Rassen (34 %): Sichern genetische Vielfalt und kulturelles Erbe der Landwirtschaft.

Darüber hinaus setzen einige Betriebe Maßnahmen um, die über den ökologischen Standard hinausgehen und mit höheren Investitionen verbunden sind:

  • Agroforstsysteme: Streuobstwiesen und Hecken (18 %): Schaffen vernetzte Lebensräume, verbessern das Mikroklima und leisten einen Beitrag zur Kohlenstoffspeicherung.
  • Mehrjährige Futter- und Körnerleguminosen (13 %): Verbessern die Bodenfruchtbarkeit durch natürliche Stickstoffbindung und reduzieren den Bedarf an externen Betriebsmitteln.

Eine umweltverträgliche Ernährung erhält und schützt die biologische Vielfalt: von der Produktion bis zum Verzehr. Natürliche Ressourcen werden dabei geschont.

Auch 2025 haben wir unsere Blühstreifen-Aktion fortgeführt und für gezeichnete GLS Bank Anteile sowie für neu eröffnete Konten die Kosten für Saatgut der Bingenheimer Saatgut AG übernommen. 71 Kund*innen haben teilgenommen – insgesamt konnten wir so Saatgut für 351.000 m² Blühstreifen spenden, etwas mehr als im Vorjahr. Blühstreifen sind für Insekten, Vögel und Kleinsäuger wertvolle Rückzugsräume in der Agrarlandschaft, die Artenvielfalt, Bodengesundheit und natürliche Schädlingsregulation gleichermaßen fördern. Mit der Aktion möchten wir einen kleinen Beitrag leisten und sichtbar machen, wie umfangreich die Umweltleistungen der ökologischen Landwirtschaft sind – Leistungen, die im Marktpreis bislang kaum ihren Niederschlag finden, solange faire Rahmenbedingungen für Bio fehlen. 

Zukunftsfähige Wertschöpfung

Der Auf- und Ausbau fairer, langfristiger Partnerschaften zwischen Produzenten, Lieferanten und Abnehmer*innen fördern Resilienz und Vertrauen als Basis für eine nachhaltige Produktion zur Ernährungswende.

Gerade Bio-Anbauverbände leisten hierbei einen wichtigen Beitrag, indem sie durch verbindliche Standards, transparente Lieferketten und kontinuierlichen Austausch stabile Kooperationsstrukturen fördern. Gleichzeitig reichen solche Netzwerkansätze über die Verbandsarbeit hinaus: Sie bilden die Grundlage für die Weiterentwicklung ökologischer Wirtschaftsweisen auf Betriebsebene und in Unternehmen entlang der gesamten Wertschöpfungskette. Nachhaltige Produktionspraktiken, ressourcenschonende Prozesse und langfristig ausgerichtete Geschäftsmodelle werden so zu zentralen Faktoren für zukunftsfähige Wertschöpfung.

80 % der von uns 2025 finanzierten Betriebe und Unternehmen greifen diesen Ansatz auf und wirtschaften nach ökologischen Grundsätzen. Besonders hervorzuheben ist dabei der Ansatz des geschlossenen Hofkreislaufs: 32 % der finanzierten Betriebe schließen ihre Kreisläufe bei Nährstoffen, Futtermitteln sowie Saat- und Pflanzgut so weit wie möglich betriebsintern – ein Ansatz, der die Abhängigkeit von externen Betriebsmitteln reduziert und die Resilienz gegenüber Preis- und Lieferkettenschwankungen erhöht. Ergänzend dazu setzen 17 % auf eigenes Recycling bzw. die Weiterverwertung von Rest- und Abfallstoffen, während 30 % durch die Einführung von Mehrwegsystemen anstelle von Einweg-Verpackungen zur Ressourcenschonung beitragen.  

Ein weiterer zentraler Baustein zukunftsfähiger Wertschöpfung ist die Energieversorgung. 69 % der finanzierten Betriebe und Unternehmen nutzen erneuerbare Energien – der mit Abstand häufigste Ansatz ist die Photovoltaik (64 % aller finanzierten Betriebe und Unternehmen aus 2025). Bei einem Betrieb handelt es sich dabei um eine Agri-PV-Anlage – die kombinierte Nutzung landwirtschaftlicher Flächen für Anbau und Solarstromerzeugung.  

Angesichts zunehmender Trockenheit und unregelmäßiger Niederschläge gewinnt auch der effiziente Umgang mit Wasser an Bedeutung: 15 %  der finanzierten Betriebe setzen auf ressourcenschonende Bewässerungssysteme wie Tropfbewässerung, Kreis- oder mobiler Beregnung – Technologien, die den Wasserverbrauch senken und die Ertragssicherheit auch in trockenen Jahren erhöhen.  

Der Auf- und Ausbau fairer, langfristiger Partnerschaften zwischen Urproduzent*innen, Lieferant*innen und Abnehmer*innen fördert Resilienz und Vertrauen. Sie sind eine wichtige Grundlage für eine nachhaltige Produktion zur Ernährungswende.

Gemeinschaftlich & sozial gerecht

Wir brauchen Modelle und Strukturen, in denen gemeinschaftlich Risiko und Verantwortung getragen und Solidarität und Wertschätzung zwischen allen Mitgliedern des Ernährungssystems gefördert werden.  

Ein wichtiger Baustein ist dabei die Förderung von Transparenz und Verbraucherbildung: 75 % der 2025 finanzierten Betriebe und Unternehmen engagieren sich in diesem Bereich. Konkret bieten 39 % pädagogische Initiativen wie Hofbesuche oder Veranstaltungen für Schulklassen an, während 65 Prozent Praktikums- und Ausbildungsplätze bereitstellen. 20 % beteiligen sich an Forschungsprojekten und tragen so zur Weiterentwicklung ökologischer und nachhaltiger Wirtschaftsweisen bei. Diese Aktivitäten stärken nicht nur das Verständnis für landwirtschaftliche Prozesse, sondern fördern auch den Dialog zwischen Erzeuger*innen und Gesellschaft.

Darüber hinaus spielt soziales Engagement eine wichtige Rolle. 72 % der Betriebe setzen entsprechende Maßnahmen um. Dazu zählen unter anderem inklusive Beschäftigungsansätze: 18 % der Betriebe schaffen Arbeits- oder Betreuungsangebote für Menschen mit erschwertem Zugang zum Arbeitsmarkt, beispielsweise für Menschen mit Behinderung oder Fluchthintergrund. Gleichzeitig investieren 54 % gezielt in den Einsatz von Technik, um Arbeitsbedingungen zu verbessern und körperliche Belastungen zu reduzieren.

Gemeinschaftliche Strukturen zeigen sich auch in der Zusammenarbeit zwischen Betrieben: 54 % kooperieren mit umliegenden Unternehmen, etwa durch Futter-Mist-Kooperationen oder die gemeinsame Nutzung von Maschinen. Solche Ansätze stärken regionale Kreisläufe, reduzieren Kosten und fördern den Wissenstransfer. Auch alternative Wirtschaftsmodelle sind weiterhin relevant: 8 % der Betriebe sind in genossenschaftlichen oder solidarischen Landwirtschaftsmodellen organisiert und ermöglichen so eine direkte, gemeinschaftlich getragene Finanzierung landwirtschaftlicher Produktion.

Für die Gestaltung der Ernährungswende brauchen wir Modelle und Strukturen, in denen gemeinschaftlich Risiko und Verantwortung getragen und Solidarität und Wertschätzung zwischen allen Mitgliedern des Ernährungssystems gefördert werden.