Lila und gelbe Blumen vor einem Getreidefeld

Biosphäre

In diesem Kapitel beschreiben wir, wie wir auf die Biosphäre, insbesondere die Biodiversität, wirken und wie die Biodiversität uns wirkt. Dazu geben wir einen Einblick in Konzepte, Ziele, Maßnahmen und Kennzahlen zu unseren wesentlichen Themen Biologische Vielfalt und Ökosysteme, Umweltverschmutzung und Kreislaufwirtschaft.

Viel Spaß beim Lesen!

Einleitung

Biosphäre als Lebensgrundlage

Die Biosphäre umfasst alle Bereiche der Erde, in denen Leben entsteht und wächst – von Menschen und Tieren bis hin zu Pflanzen und Mikroorganismen. Eine intakte Biosphäre reinigt Luft und Wasser, bekämpft Krankheitserreger und sichert die Vermehrung von Arten. Sie trägt Ernährung, Gesundheit und wirtschaftliche Entwicklung. Ohne eine gesunde Biosphäre bricht dieses Fundament weg.

Als sozial-ökologische Bank richtet die GLS Bank ihre Arbeit an dieser Grundlage aus. Geld erhält eine Aufgabe: Es stärkt Projekte und Unternehmen, die lebendige Ökosysteme schützen, erneuern und gerecht nutzen.

Biodiversität: Vielfalt, die alles trägt

Biodiversität beschreibt die Vielfalt des Lebens. Sie zeigt sich in der genetischen Vielfalt, der Vielfalt der Arten und der Vielfalt der Ökosysteme. Diese Vielfalt macht natürliche Systeme stabil und widerstandsfähig – auch bei sich wandelnden Umweltbedingungen. Biodiversität und die Leistungen der Ökosysteme sichern Ernährung, Trinkwasser, Gesundheit, Klimastabilität und wirtschaftliche Sicherheit. Wenn Lebensräume zerstört, Arten ausgerottet oder Ökosysteme übernutzt werden, gerät dieses Gefüge aus dem Gleichgewicht. Die Folgen treffen Natur, Wirtschaft und Gesellschaft gleichermaßen.

Bedrohung der Artenvielfalt

Der Verlust an Biodiversität schreitet weltweit rasant voran. Fachgremien wie der Weltbiodiversitätsrat IPBES schätzen, dass bis zu eine Million Arten vom Aussterben bedroht sind. Der überwiegende Teil dieses Verlusts geht auf menschliches Handeln zurück. Damit steht die Leistungsfähigkeit von Ökosystemen auf dem Spiel – und damit auch die Grundlage vieler Geschäftsmodelle.

Zu den zentralen Treibern des Biodiversitätsverlusts zählen insbesondere:

  • Umwandlung und Übernutzung von Land- und Meeresflächen, etwa durch Entwaldung, Versiegelung oder Monokulturen
  • direkte Ausbeutung von Organismen, zum Beispiel Überfischung oder Wilderei
  • Umweltverschmutzung, etwa durch Pestizide, Nährstoffüberschüsse oder Plastikabfälle
  • invasive Arten, die heimische Lebensgemeinschaften verdrängen
  • menschengemachter Klimawandel

Diese Entwicklungen verstärken sich gegenseitig. Wo Arten verschwinden und Lebensräume verarmen, verlieren Ökosysteme ihre Schutzfunktion – mit Folgen für Ernährungssysteme, Gesundheit, Infrastruktur und Regionen.

Rolle von Finanzinstituten 

Finanzinstitute beeinflussen, wie schnell sich Biodiversitätsverlust und Umweltverschmutzung ausbreiten – oder wie stark die Wirtschaft gegensteuert. Kapitalströme entscheiden mit darüber, ob Wälder gerodet oder neu aufgeforstet werden, ob Böden ausgelaugt oder regenerativ bewirtschaftet werden, ob lineare Wegwerfmodelle bleiben oder Kreislaufwirtschaft wächst. Analysen europäischer Institutionen zeigen, dass ein Großteil der Unternehmenskredite in Branchen fließt, die stark von Ökosystemleistungen abhängen. Damit stehen Finanzrisiken in direktem Zusammenhang mit Natur- und Biodiversitätsrisiken.

Auswirkungen, Risiken und Chancen im Zusammenhang mit Biodiversität

Diese Angaben beziehen sich auf ESRS SBM-3 und ESRS E4.SBM-3: Wesentliche Auswirkungen, Risiken und Chancen und ihr Zusammenspiel mit Strategie und Geschäftsmodell.

Im Rahmen unserer Wesentlichkeitsanalyse haben wir für die wesentlichen Themen positive und negative Auswirkungen, die von uns auf das Thema Biodiversität wirken, sowie Risiken und Chancen, die sich durch die Biodiversität für uns ergeben, gesammelt. Zu diesen Auswirkungen, Risiken und Chancen geben wir im Folgenden einen Überblick.

Konzepte zum Umgang mit den Auswirkungen, Risiken und Chancen

Diese Angaben beziehen sich auf ESRS MDR-P, ESRS E2-1: Strategien im Zusammenhang mit Umweltverschmutzung, ESRS E5-1: Strategien im Zusammenhang mit Ressourcennutzung und Kreislaufwirtschaft und ESRS E4-2: Strategien im Zusammenhang mit biologischer Vielfalt und Ökosystemen

 

Es braucht Strategien und Konzepte, um negative Auswirkungen zu minimieren, positive Auswirkungen zu stärken, Risiken angemessen zu begegnen und Chancen zu nutzen. Einige unserer Konzepte stellen wir hier vor.

Ziele und Maßnahmen zum Umgang mit den Auswirkungen, Risiken und Chancen

Um insbesondere die negativen Auswirkungen und Risiken steuern zu können, setzen wir uns regelmäßig Nachhaltigkeitsziele. In der Zielsetzung orientieren wir uns an globalen planetaren Grenzen und sozialen Fundamenten. Um sicherzustellen, dass wir das Ziel erreichen können, führen wir verschiedene Maßnahmen durch. Im Folgenden sind die Ziele und Maßnahmen aus dem Jahr 2025 beschrieben.

Diese Angaben beziehen sich auf ESRS MDR-T, ESRS MDR-A, ESRS E2-3, ESRS E2-2, ESRS E4-3 und ESRS E4-4: Ziele und Maßnahmen im Zusammenhang mit biologischer Vielfalt und Ökosystemen sowie Umweltverschmutzung.

Planetare Grenzen und soziale Fundamente

Die Biodiversität ist in Gefahr: Etwa eine Millionen Arten sind laut dem globalen Biodiversitätsrat bereits in den nächsten Jahrzehnten vom Aussterben bedroht und fast die Hälfte der natürlichen Lebensräume ist bereits gestört. Wissenschaftler*innen verweisen mit großer Vehemenz darauf, dass kein Spielraum (Budget) für eine weitere Schädigung von Biodiversität und Ökosystemen vorhanden ist. So setzt sich das Kunming-Montreal Übereinkommen zur biologischen Vielfalt das Ziel, den Verlust bis 2030 auf Netto-Null zu reduzieren. Klar ist: Es muss sofort gehandelt werden und dabei alle Interessensgruppen mit einbezogen werden. Da nicht jede negative Auswirkung, die durch wirtschaftliche Aktivitäten entsteht, vermieden werden kann, müssen auch Anstrengungen zur Wiederherstellung von Ökosystemen unternommen werden. 

Dazu gehören auch das globale Budget zu Landnutzungsänderungen, welches eine maximale Landfläche definiert, die in Ackerland umgewandelt werden darf, und die Belastungsgrenze der Stickstoff- und Phosphorkreisläufen. Übermäßiger Einsatz von Düngemitteln führt zu Boden- und Gewässerbelastung und letztendlich zum Verlust von Artenvielfalt.  

Neben den ökologischen Schwellenwerten gibt es auch soziale Fundamente, die mit der Biosphäre zusammenhängen. Eine gesunde Umwelt ist die Voraussetzung für eine sichere, nahrhafte und nachhaltige Ernährung. Eine nachhaltige Landnutzung sichert außerdem Raum für nachhaltigen Wohnraum ohne Zerstörung von Natur.

Wesentliches ThemaZielGültigkeitsbereichZeithorizont, ggf. Basisjahr & -wert, ggf. ZwischenzieleZielwertIst-Wert zum 31.12.2025Prozentualer Zielerreichungsstand
Biologische Vielfalt & Ökosysteme und Anpassung an den Klimawandel & Wasser & UmweltverschmutzungFinanzierung von 10.000 Hektar neu erworben oder bestandsgesichert ökologisch bewirtschafteter Fläche in der Branche ErnährungFirmenkundengeschäft der GLS Bank, insb. die Branche Ernährung202510.000 Hektar13.436 Hektar134,4 %
Biologische Vielfalt & Ökosysteme und Wasser- & MeeresressourcenAnalyse der Biodiversitätswirkung des Kerngeschäfts der GLS Bank bzgl. des Ziels eines netto-null BiodiversitätsverlustesKundenkreditgeschäft der GLS Bank2025100 %Die Auswirkungen des Kreditgeschäfts wurden erfolgreich analysiert100 %
Biologische Vielfalt & Ökosysteme & UmweltverschmutzungFinanzierung von Unternehmen/Betrieben in der Branche Ernährung, von denen 30 % hervorragende sozial-ökologische Maßnahmen in Biodiversität, Umwelt und Soziales vorweisenFirmenkundengeschäft der GLS Bank, insb. die Branche Ernährung202530 %35,3 %117,6 %

Einige unserer Nachhaltigkeitsziele im Zeitverlauf:

Liniendiagramm, das einen Rückgang von 2024 auf 2025 bei einem Prozentwert nahe 50 zeigt.

Maßnahmen im Jahr 2025

Kennzahlen und weitere Informationen

Biodiversitätsmanagement

Diese Angaben beziehen sich auf ESRS E4-1: Übergangsplan und Berücksichtigung von biologischer Vielfalt und Ökosystemen in Strategie und Geschäftsmodell.

Wir verankern Biodiversität Schritt für Schritt in unserem Kerngeschäft. So mindern wir Risiken, stärken Ökosysteme und machen die Wirkung unserer Finanzierungen sichtbar.

1. Themenauswahl und Priorisierung

2025 analysierten wir gemeinsam mit dem Wuppertal Institut unser Kreditportfolio auf negative Auswirkungen auf die biologische Vielfalt. Auf Basis dieser Analyse leiten wir biodiversitätsrelevante Kennzahlen ab. So ordnen wir Risiken nach Branchen ein und senken gezielt negative Wirkungen.

Ebenfalls 2025 bewerteten wir unser Kreditportfolio mit der ENCORE-Datenbank im Hinblick auf unsere Abhängigkeit von Ökosystemleistungen, etwa fruchtbaren Böden, sauberem Wasser oder Bestäubungsleistungen. Die Ergebnisse bilden eine Grundlage, um Biodiversität in unseren Steuerungs- und Entscheidungsprozessen zu verankern.

Diagramm zur Darstellung der Beziehungen zwischen Krediten, Unternehmen und Auswirkungen auf die biologische Vielfalt in deutscher Sprache.

2. Strategische Ausrichtung

Die globale Gemeinschaft hat sich 2023 im Global Biodiversity Framework (GBF) auf konkrete Ziele für den Schutz und die Wiederherstellung von Ökosystemen geeinigt. Wir richten unsere Aktivitäten an diesem Rahmenwerk aus.

Biodiversität betrachten wir analog zum Klimaschutz als zentrales Umwelt- und Transformationsrisiko. Auch wenn Banken nur begrenzte direkte Eingriffe in Ökosysteme haben, wirken sich Biodiversitätsrisiken aus der Realwirtschaft direkt auf unsere Kreditportfolios aus: Geschäftsmodelle geraten unter Druck, Kredit- und Ausfallrisiken steigen.

Gleichzeitig entstehen Chancen:

  • Finanzierungen für biodiversitätsfördernde Projekte schließen Finanzierungslücken.
  • Investitionen in gesunde Böden, ökologische Landwirtschaft und grüne Quartiere stärken Resilienz und Kreditqualität.
  • Neue Produkte und Geschäftsfelder im Bereich Renaturierung und Naturschutz entwickeln sich.

Unser Leitbild stellt ökologische, soziale und kulturelle Verantwortung in den Mittelpunkt. Biodiversität ist darin ein zentraler Bestandteil. Die Anlage- und Finanzierungsgrundsätze sowie Branchenstrategien fördern den Schutz der biologischen Vielfalt und schließen biodiversitätsschädliche Geschäftsmodelle aus.

Auch im Bürobetrieb achten wir auf biodiversitätsschonende Entscheidungen – zum Beispiel bei Beschaffung, Gebäudeplanung und Standortentwicklung.

3. Zielesetzung und KPIs

Wir setzen uns jährlich Nachhaltigkeitsziele, darunter spezifische Ziele zur Biodiversität.

Wir integrieren Biodiversität systematisch in unser Risikomanagement. Dafür erfassen, bewerten und berichten wir wesentliche Risiken, Abhängigkeiten und Auswirkungen. Grundlage sind unter anderem Szenarien des Weltbiodiversitätsrats (IPBES). Wir unterscheiden insbesondere:

  • physische Biodiversitätsrisiken, etwa Verlust von Artenvielfalt und Ökosystemleistungen
  • transitorische Biodiversitätsrisiken, etwa strengere Schutzvorschriften, Entwaldungsverbote oder Vorgaben zur Reduktion des Wasserverbrauchs

Wir analysieren unsere Geschäftsfelder hinsichtlich ihrer positiven oder negativen Biodiversitätswirkung und ihrer Abhängigkeit von Ökosystemleistungen. Der Klimawandel als einer der Haupttreiber des Biodiversitätsverlusts ist Teil dieser Betrachtung.

Die Ergebnisse der Risikoinventur fließen als wesentliche ESG-Risiken in den laufenden Risikomanagementprozess ein. Dazu gehören Stresstests und Sensitivitätsanalysen.

Durch die Integration von Biodiversitätskriterien in das Risikomanagement erfassen wir ökologische und ökonomische Risiken und Chancen gemeinsam und beziehen sie in Kreditentscheidungen ein. So stärken wir die Stabilität unseres Geschäftsmodells und leisten einen Beitrag zum Schutz der Natur.

Über die GLS Wirkungstransparenz erheben wir in ausgewählten Branchen biodiversitätsbezogene Kennzahlen unserer Kund*innen und der finanzierten Vorhaben. So wird sichtbar, wie sich unsere Finanzierungen konkret auf die biologische Vielfalt auswirken.

4. Implementierung

Wir setzen Biodiversitätsmanagement operativ über konkrete Maßnahmen um. Diese Maßnahmen verbessern die Messbarkeit unserer Wirkungen und reduzieren negative Auswirkungen, während positive Auswirkungen auf Ökosysteme gestärkt werden.

Wieso ermittelt die GLS Bank keinen Biodiversitätsfußabdruck?

Im Gegensatz zu CO₂-Emissionen lässt sich Biodiversität nicht in einer einzigen Kennzahl abbilden. Biologische Vielfalt umfasst genetische Vielfalt, Artenvielfalt und Ökosystemvielfalt. Diese Dimensionen sind dynamisch, ortsspezifisch und von komplexen Wechselwirkungen geprägt. Hinzu kommen Datenlücken, methodische Unsicherheiten und uneinheitliche Bewertungsansätze.

Ein pauschaler Biodiversitäts-Fußabdruck greift aus unserer Sicht zu kurz – für operative Steuerung und verantwortungsvolle Kreditvergabe reicht eine einzelne Zahl nicht aus.

Unser Ansatz setzt stattdessen auf:

  • klare Ausschlusskriterien
  • gezielte Positivkriterien
  • interne Bewertungssysteme wie ESG-Score und n-Wert
  • strategische Partnerschaften und praxisnahe Steuerungsinstrumente

So machen wir Wirkung dort sichtbar, wo Biodiversität tatsächlich betroffen ist – entlang realer ökologischer Auswirkungen statt über eine abstrakte Kennzahl.

Messung von Auswirkungen auf die Biodiversität

Diese Angaben beziehen sich auf ESRS E4-5: Auswirkungsparameter im Zusammenhang mit biologischer Vielfalt und Ökosystemveränderungen.

Biodiversität im eigenen Bankbetrieb

Unsere Standorte liegen in innerstädtischen Gebieten und nicht in Schutzgebieten oder Regionen mit hoher Artenvielfalt wie Natura-2000-Gebieten. Für unsere Gebäude wurden keine zusätzlichen Flächen neu versiegelt. Das Verwaltungsgebäude in Bochum erwarben wir 2005 als Bestandsimmobilie und sanierten es umfassend nach hohen ökologischen Standards. Trotzdem versiegeln unsere Standorte Flächen, die innerstädtischen Lebensraum bieten könnten. Daher entsiegelten wir im Innenhof des Hauptstandorts Bochum einen über 400 m² großen Parkplatz und legten dort eine Grün- und Teichanlage an. Dennoch nutzen wir einen weiteren Parkplatz für die Mitarbeitenden. 

Der größte Einfluss auf Biodiversität entsteht jedoch nicht im Bürobetrieb, sondern über das, was wir finanzieren.

Analyse der Biodiversitätswirkung unseres Kreditportfolios

Gemeinsam mit dem Wuppertal Institut analysierten wir 2025 unser Kreditportfolio auf negative Auswirkungen auf die biologische Vielfalt. Die Auswertung basiert auf:

  • ENCORE-Daten zur Bewertung von Branchenaktivitäten
  • GLS-spezifischen Merkmalen, zum Beispiel:
    • ausschließliche Finanzierung ökologischer Landwirtschaft
    • Schwerpunkt auf Photovoltaik-Dachanlagen
    • keine Finanzierung von Offshore-Windenergie
  • dem Verwendungszweck der Finanzierung, zum Beispiel Installation von PV-Anlagen oder Neubau eines Gebäudes

Die Analyse ergibt ein Bild potenzieller negativer Auswirkungen der GLS Branchen auf Biodiversität und die Treiber des Biodiversitätsverlusts per 31.12.2025. Die Ergebnisse sind volumenbasiert gewichtet.
Branchen wie Bildung, Ernährung, Nachhaltige Wirtschaft und Soziales weisen insgesamt keine hohen negativen Auswirkungen auf die Biodiversität auf. Deutlichere Risiken zeigen sich in den Branchen Erneuerbare Energien und Wohnen.

Tabelle mit farbkodierten Auswirkungsgraden für Sektoren bei verschiedenen Umweltfaktoren.
Legende: VL = very low; L = low; M = medium; H = high; VH = very high

Wesentliche negative Auswirkungen auf die Biodiversitätstreiber in den finanzierten Branchen

Erneuerbare Energien: In dieser Branche ergeben sich vor allem potenzielle Belastungen durch:

Sehr hoch:

  • Landnutzung und Veränderung terrestrischer Ökosysteme durch Windenergieanlagen

Hoch:

  • Licht- und Lärmbelastung beim Bau und Betrieb von Windenergieanlagen
  • Wasserverbrauch bei der Herstellung von Anlagen der erneuerbaren Energien
    Wohnen

Im Bereich Wohnen identifizieren wir folgende wesentliche potenzielle Auswirkungen:

Sehr hoch:

  • Licht- und Lärmverschmutzung während der Bauphase
  • Eintrag von Giftstoffen in Boden und Wasser beim Bau und bei der Produktion von Baumaterialien

Hoch:

  • Treibhausgasemissionen beim Bau und während der Nutzung
  • Abfallaufkommen beim Bau und in der Baustoffproduktion
  • Flächeninanspruchnahme und -versiegelung
  • Wasserverbrauch beim Bau und in der Baustoffproduktion

Diese Themen stehen im Fokus unseres naturbezogenen Transitionsplans. Wir prüfen, inwieweit bestehende Konzepte und Maßnahmen negative Wirkungen bereits mindern und entwickeln dort nach, wo Lücken bestehen. Heute erfassen wir bereits auf Ebene einzelner Kund*innen Kennzahlen zu verwendeten Baumaterialien und zur Flächenversiegelung bei Immobilienprojekten. Auf Basis der Auswirkungsanalyse überprüfen und erweitern wir unser KPI-Set. Ziel ist ein konsequentes Management naturbezogener Risiken und eine gezielte Förderung positiver Wirkungen.

Grenzen der Portfolioanalyse

Die Analyse bildet potenzielle Hotspots ab und keine standortscharfe Bewertung. Sie beruht auf Brancheninformationen, nicht auf einzelnen Projekten. Aufgrund der Komplexität von Biodiversität und der Vielzahl von Wirkungskategorien liefert ENCORE keine übergreifende Gesamtbewertung. Die Ergebnisse dienen uns als Kompass, um Schwerpunkte zu erkennen, Transparenz zu schaffen und Maßnahmen zu priorisieren.

So wirken die von uns finanzierten Branchen im Allgemeinen auf Biodiversität:

Abhängigkeiten von Ökosystemleistungen

Unsere Kund*innen sind in vielerlei Hinsicht von Naturleistungen abhängig: fruchtbare Böden, sauberes Wasser, stabiles Klima oder schöne Landschaften. Diese Abhängigkeiten analysierten wir mit der ENCORE-Datenbank. Die 25 betrachteten Ökosystemleistungen fassten wir in drei Kategorien zusammen und stellten je Branche den jeweils höchsten Abhängigkeitsgrad dar.

Ein Tortendiagramm mit drei beschrifteten Abschnitten in Deutsch und verschiedenen Farben.

Besonders hohe Abhängigkeiten ergeben sich in den Branchen Ernährung und Soziales:

  • Ernährung: starke Abhängigkeit von Boden- und Sedimenterhalt, Klimaregulation, Wasserversorgung, Regulierung von Wasserflüssen und Niederschlagsmustern.
  • Soziales: hohe Abhängigkeit von ästhetischen, landschaftlichen sowie kulturellen und symbolischen Naturleistungen, etwa attraktive Umgebungen für Gesundheit, Pflege und Betreuung.

Die Ergebnisse fließen direkt in die Ausgestaltung unseres naturbezogenen Transitionsplans ein.

Umgang mit identifizierten Abhängigkeiten

Wir nutzen die Analyse, um gemeinsam mit unseren Kund*innen Risiken zu verringern und Resilienz aufzubauen.

Branche Ernährung

  • Ökologische Landwirtschaft stabilisiert Bodenfruchtbarkeit und trägt nach aktuellem Stand der Wissenschaft zum Erhalt gesunder Böden bei.
  • Über vielfältige Fruchtfolgen, Humusaufbau und eine höhere Wasserspeicherkapazität der Böden steigert sie die Widerstandsfähigkeit gegenüber Klimarisiken.
  • Die Betroffenheit von physischen Klimarisiken messen und überwachen wir mit dem VR ESG Risikoscore.

Branche Soziales

  • Finanzierung von Projekten mit naturnaher Gestaltung, zum Beispiel grüne Infrastruktur, Gärten und Biodiversitätsflächen an sozialen Einrichtungen.
  • Integration von Kriterien zur Landschaftsqualität in die Immobilienbewertung, etwa über den nWert.
Tabelle mit Sektoren, prozentualen Anteilen und ihren Ökosystemleistungsbewertungen in Farbe.
Legende: VL = very low; L = low; M = medium; H = high; VH = very high

Ressourcenzuflüsse

Wir setzen im Büro vor allem Strom, Wärme und Papier ein. Hinzu kommen IT- und Büroausstattung wie Laptops, Monitore, Möbel sowie Materialien für Sanierungen von Bürogebäuden. All diese Ressourcenzuflüsse prägen unseren ökologischen Fußabdruck und zeigen, welche Wirkung unser Arbeitsalltag auf Umwelt und Klima hat.

Papierverbrauch und Recyclingquote

2025 verbrauchten wir im GLS Konzern 69,4 Tonnen Papier. Im Vorjahr waren es 118,5 Tonnen. 

82,1 % unseres Papiers tragen den Blauen Engel und bestehen aus Recyclingpapier (Vorjahr 77,1 %). Damit schützen wir Wälder und Böden, denn Recyclingpapier beansprucht deutlich weniger Naturfläche als Papier aus Holzfrischfasern.

Unser Papierverbrauch umfasst Kopierpapier, Briefhüllen und externe Drucksachen. Die Papiermenge erfassen wir in Kilogramm. Grundlage sind die Primärdaten unserer Dienstleistenden und Lieferant*innen.

IT- und Büroausstattung als Ressourcenfaktor

Neben Papier machen IT- und Büroausstattung einen wichtigen Teil unserer Ressourcenzuflüsse aus. Dazu zählen insbesondere Laptops, Monitore und Möbel. Auch Materialien für die Sanierung von Bürogebäuden fließen hier ein.

Diese Angaben beziehen sich auf ESRS E5-4: Ressourcenzuflüsse.

Ressourcenabflüsse

Wir erbringen Dienstleistungen im Finanzsektor. Wir produzieren keine materiellen Produkte, die unter eine produktspezifische Berichtspflicht fallen. Für unsere Umweltauswirkungen spielt daher vor allem ein Thema eine Rolle: unsere Abfälle. Sie bilden den zentralen Ressourcenabfluss im GLS Konzern.

Abfall im Büroalltag

Im Büroalltag entstehen trotz papierarmer Prozesse und digitaler Wege weiterhin Abfälle. Dazu gehören vor allem Wertstoffe, Restmüll und Abfälle aus der Kantine. Sie zeigen, wie ressourcenschonend wir arbeiten und wie konsequent wir Kreisläufe schließen.

Wir erfassen die Abfallmengen über:

  • Tonnenentleerungen eines lokalen Entsorgungsunternehmens
  • Abfälle aus der Kantine
  • Mengenangaben eines externen Entsorgungsdienstleisters
Artenin kgin %Entsorgungswegin kgVorjahr (2024)
Papier29.601,260,2 %Recycling31.638,730.236,6
Elektroschrott465,00,9 %
Glas1.572,53,2 %
Wertstoffe6.537,613,3 %Verwertung*6.537,66.280,3
Speisereste1.696,13,4 %Biogaserzeugung1.696,11.516,4
Restmüll9.322,919,0 %Beseitigung9.322,98.956,0
Summe49.195,2100,0 %Summe49.195,246.989,3
Abfallvolumen 2025 nach Arten und Entsorgungsweg

* Der Entsorgungsweg „Verwertung“ steht für die Sammlung und Nutzung der Wertstoffe im Rahmen des dualen Entsorgungssystems. Wertstoffe fließen überwiegend in geschlossene Kreisläufe zurück. Ein kleinerer Teil geht in die Verbrennung oder dient als Ersatzbrennstoff.

Als Finanzdienstleister arbeiten wir ohne chemische Produktion oder industrielle Prozesse. Im GLS Konzern entsteht kein gefährlicher Abfall.
 

Diese Angaben beziehen sich auf ESRS E5-5: Ressourcenabflüsse.

Finance for Biodiversity Pledge

In 2021 haben wir die Finance for Biodiversity Pledge der Finance for Biodiversity Foundation unterzeichnet und uns damit zu folgenden Punkten verpflichtet:

VerpflichtungBerichterstattung für 2025
1. Wir werden jährlich über die signifikanten positiven und negativen Beiträge zu den globalen Biodiversitätszielen im Zusammenhang mit unseren Finanzierungstätigkeiten und Investitionen in unseren Portfolios berichten und transparent sein.Wir berichten jährlich in unseren Nachhaltigkeitsberichten, und seit dem Berichtsjahr 2024 ebenso über die European Sustainability Reporting Standards über unsere Ziele, Strategien und Maßnahmen zur Förderung der Biodiversität.
2. Wir werden zusammenarbeiten und Wissen über Bewertungsmethoden, Biodiversitätskennzahlen, Ziele und Finanzierungsansätze für positive Auswirkungen austauschen.

Wir sind Mitglied und arbeiten in folgenden Netzwerken zum Thema Biodiversität zusammen:

  • Global Alliance for Banking on Values (Arbeitsgruppe zu Biodiversität)
  • Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken (Arbeitsgruppe zu Biodiversität)
  • BÖLW e.V.
  • Bündnis für eine enkeltaugliche Landwirtschaft
  • DGNB - Deutsche Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen - e.V.
  • Forum Ökologisch-Soziale Marktwirtschaft e.V. (FÖS)
  • BNW Bundesverband Nachhaltige Wirtschaft e.V.
  • AFCA: Co-Lead im Projekt gegen Umweltkriminalität mit Fokus Abfallwirtschaft
  • TNFD Consultation Group Germany (FNG, BAUM)

Darüber hinaus setzen wir uns für einen politischen Wandel ein. Mehr dazu im Kapitel Transparenz.

3. Wir werden Kriterien für die biologische Vielfalt in unsere ESG-Richtlinien aufnehmen und gleichzeitig mit Unternehmen zusammenarbeiten, um ihre negativen Auswirkungen auf die biologische Vielfalt zu verringern und ihre positiven Auswirkungen zu erhöhen.Die Treiber des Biodiversitätsverlustes werden hier beschrieben.
Die für 2025 gesetzten Ziele in Bezug auf die Biodiversität werden hier beschrieben. Auch die Ziele in den Bereichen Klimawandel und Wasser haben einen Einfluss auf die Biodiversität. Diese Ziele werden sich in den Folgejahren weiterentwickeln.
Das weitere Vorgehen in Bezug auf ein Biodiversitätsmanagement wird hier beschrieben.
4. Wir werden unsere Finanzierungsaktivitäten und Investitionen auf signifikante positive und negative Auswirkungen auf die biologische Vielfalt prüfen und die Ursachen für deren Verlust ermitteln.Die GLS Bank hat in 2025 die negativen Auswirkungen der finanzierten Branchen auf die unterschiedlichen Biodiversitätstreiber analysiert (siehe hier). In einem nächsten Schritt wird sie sich auf die Analyse von positiven Auswirkungen auf die Biodiversität konzentrieren. Mithilfe einer Gap-Analyse wird das bestehende branchenspezifische KPI-Set zu biodiversitätsrelevanten Kennzahlen überprüft.
5. Wir werden auf der Grundlage der besten verfügbaren wissenschaftlichen Erkenntnisse Ziele festlegen und offenlegen, um die positiven Auswirkungen auf die biologische Vielfalt zu erhöhen und die negativen Auswirkungen zu verringern.Die für 2025 geltenden Ziele in Bezug auf Biodiversität beschreiben wir hier. Auch die Ziele in den Bereichen Klimawandel und Wasser haben einen Einfluss auf die Biodiversität. Diese Ziele werden sich in den Folgejahren weiterentwickeln.
Das Ziel zur Analyse der Biodiversitätswirkung ist ein „Initiation target“ und das Ziel zu Unternehmen und Betrieben mit hervorragenden sozial-ökologischen Maßnahmen ist ein „Portfolio target“.

Umsetzung der Empfehlungen der Taskforce on Nature-related Financial Disclosures (TNFD)

Empfehlung der TNFDUmsetzung und Berichterstattung
GovernanceDer Vorstand trägt eine Gesamtverantwortung für die Strategie und damit auch für das Management und die Steuerung der Abhängigkeiten, Auswirkungen, Risiken und Chancen in Bezug auf die Biodiversität. Die Menschenrechtspolitik und das Stakeholder-Engagement mit Blick auf betroffene lokale Gemeinschaften wird im Konzept zur Umsetzung des Lieferkettensorgfaltspflichtengesetzes und im Vorgehen zur Wesentlichkeitsanalyse beschrieben. Durchgeführte Analysen zur Messung der Abhängigkeiten, Auswirkungen, Risiken und Chancen sind Teil der Risikoinventur und Wesentlichkeitsanalyse, die dem Vorstand vorgestellt werden. Darüber hinaus werden dem Vorstand auch dezidiert zu einzelnen Analysen zur Biodiversitätswirkung vorgestellt.
StrategyDie Auswirkungen und Abhängigkeiten werden losgelöst von einer Zeitraumbetrachtung bewertet. Die daraus entstehenden naturbezogene Risiken werden im Rahmen der Risikoinventur im kurz-, mittel- und langfristigen Zeithorizont analysiert. Die Ergebnisse werden hier und hier beschrieben. Der Einfluss dieser Themen auf Geschäftsmodell, die Wertschöpfungskette, Strategie und Finanzplanung ist Teil der Risikoinventur. Die Resilienz der Strategie gegenüber naturbezogenen Risiken und Chancen wird hier beschrieben. Eine Bewertung der Standorte der GLS Bank mit Blick auf Biodiversität wird hier beschrieben.
Risk & impact management

Die naturbezogenen Auswirkungen, Abhängigkeiten, Risiken und Chancen im eigenen Betrieb und im Portfolio werden im Rahmen der jährlichen Wesentlichkeitsanalyse  und Risikoinventur  bewertet. Um diese zu managen, bestehen verschiedene Konzepte, Ziele und Maßnahmen. Eine Integration in das allgemeine Risikomanagement ist im Rahmen des ESG-Risikomanagements sichergestellt.

Die Abhängigkeiten und Auswirkungen in den von der GLS Bank finanzierten Sektoren werden hier beschrieben. Die Offenlegungen werden auf Portfolioebene gemacht. Die Standorte der GLS Bank befinden sich nicht in Gegenden mit schutzbedürftiger Biodiversität. Die Nutzung von Schätzungen ist an den relevanten Stellen dokumentiert. Die Offenlegungen werden im Rahmen der Nachhaltigkeitsberichterstattung jährlich aktualisiert.

Metrics & targetsDie genutzten Kennzahlen werden im Rahmen der Ziele, Maßnahmen und in hier beschrieben. Außerdem hat sich die GLS Bank 2021 der Finance for Biodiversity Pledge verpflichtet und berichtet in diesem Rahmen ebenfalls über Fortschritte.